Cortinarius vibratilis

Gallen-Schleimfuß, Bitterster Schleimfuß

(Fr.) Fr. 1838
Familie: Cortinariaceae
© Reinhold Kärcher
Untergattung: Myxacium (Schleimfüße)
vibratilis = wippend, zitternd
Am 10. August 2002 im Ansfeldwald (TK 5919.3.3) – Foto: Dieter Gewalt

Der Gallen-Schleimfuß gehört zu jenen Arten unter den Schleimfüßen, die in allen Teilen des Fruchtkörpers extrem bitter sind. Es genügt schon, ähnlich wie vom Gallenröhrling her bekannt, ein leichtes Belecken der Hut-oder Stieloberfläche, um diesen Schleimfuß zu identifizieren. Markante Merkmale sind der kleine bis mittelgroße Wuchs, ein seidig glänzender, rein weißer, glatter, stark schleimig überzogener, meist etwas keuliger Stiel und die niemals violettlichen Lamellen. Typisch sind die lebhaft orangegelben Hutfarben, die mitunter im Randbereich merklich blasser werden. Die Hutfaben tendieren standortsbedingt ins Hellere oder Dunklere, was den französischen Cortinariologen R. Henry veranlasste, Fruchtkörper mit mehr hellgelben Farben unter „Forma velenovskyi“ und solche mit mehr ins Rotbräunliche tendierenden unter „forma langei“ zu führen. Auch falbblasse Exemplare, bei denen lediglich der Mittenbereich orangegelblich geblieben war und eine Zuordnung erleichterte, da sie unter den typisch gefärbten fruktifizierten, hätte man um eine weitere Formenkreation bereichern können. Solche farblichen Schwankungen liegen in der Bandbreite dieser Art. Die Kreation von Formen (abgekürzt „fma“ oder „f“), die auch nach anderen makroskopischen Eigenschaften aufgestellt werden können, sind ohnehin belanglos und ohne jegliche taxonomische Bedeutung.

Im Gegensatz zu dem etwas ähnlichen, in allen besseren Pilzführern abgebildeten und in manchen Gegenden als Speisepilz geschätzten, unter dem Namen „Brotpilz“ bekannten Heide-Schleimfuß Cortinarius (Myx) mucosus, der stets unter Waldkiefern und anderen zweinadeligen Kiefern siedelt, stellt der Gallen-Schleimfuß keinen Anspruch an einen bestimmten Baumpartner. Man findet ihn sowohl in Laubwäldern als auch in nicht zu alten Fichtenanpflanzungen, bevorzugt an feuchten Stellen im Gras oder Moos. Dort bilden sich mitunter auch langstielige Formen aus, wie sie z. B. bei Michael-Hennig-Kreisel (1985), Tf. 142 und bei Dähncke (1200 Pilze in Farbe) S. 795 unter „Bitterster Schleimfuß“ dargestellt sind. Die Tafel in Breitenbach & Kränzlin, Bd. 5, Nr. 288, ist nicht typisch. Eine erweiterte Beschreibung mit Aquarell von C. vibratilis siehe Kärcher & Seibt, Z. f. Mykologie 54(1): 89-91, 1988.

Reinhold Kärchers Aquarelle von Cortinarius vibratilis

Während im Ansfeld-Wald die Population noch stabil zu sein scheint, ist diese Art im Kronberger Edelkastanienhain (Taunus, TK 5816), wo sie in den 1970er Jahren noch zerstreut vorkam, seit Anfang der 1990er Jahre Jahre verschollen.

Nachtrag von Dieter Gewalt: Der Standort im Ansfeld blieb noch jahrelang erhalten. In meinen Notizen fand ich noch 2011 entsprechende Fundmeldungen und es blieb nicht bei dem einen. Etwa 50 Meter entfernt hatte sich der Pilz ebenfalls angesiedelt. Außerdem konnte er im Gebiet um Hitzberg und Dachsberg bei Darmstadt, im Steinberger Wald bei Dietzenbach, im Hainbachtal und an der Gänsbrüh bei Rodgau-Dudenhofen sicher nachgewiesen werden.

Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Reinhold Kärcher.
Zuletzt aktualisiert am 29. Juli 2020