Galerina marginata

Gifthäubling

(Batsch) Kühner 1935
Familie: Cortinariaceae
© Dieter Gewalt
neu in der Familie Hymenogastraceae
marginata = gerandet

Als Nadelholzhäubling war er kaum jemandem bekannt. Erst als man entdeckte, dass er ein gefährlicher Giftpilz ist und in „Gifthäubling“ umbenannt wurde, gelangte er ins Bewusstsein einiger Pilzfreunde. Selbst heute ist er längst nicht allen bekannt und so werden immer noch achtlos Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis) gesammelt, ohne ihnen die dringend erforderliche Aufmerksamkeit zu widmen. Schon die geringste Unachtsamkeit kann eine Verwechslung mit tödlichem Ausgang zur Folge haben.

Die Gefahr erhöht sich noch dramatisch, weil Galerina marginata nicht der einzige tödlich giftige Häubling ist. Von einigen dieser Arten wurden sogar Massenvorkommen auf Holzhäcksel- und Rindenmulchflächen beobachtet. In der Frankfurter Pilzberatung konnte möglicherweise eine Vergiftung durch eine giftige Galerina-Art verhindert werden. Zwei Pilzsammlerinnen hatten einen ganzen Korb voller vermeintlicher Stockschwämmchen in die Sprechstunde mitgebracht, die sich als Gifthäublinge (Galerina sp.) herausstellten.

Der Gifthäubling wächst sowohl im Nadel- wie im Laubwald, nicht selten zusammen mit Stockschwämmchen am gleichen Totholz. Die Haupterscheinungszeit ist September bis November.

Links: Gifthäubling (Foto: Norbert Kühnberger) / Rechts: Stockschwämmchen

Unterschiede in der Stielbekleidung können bei untypischer Ausprägung, aber auch alters- und witterungsbedingt undeutlich werden. Erschwerend kommt hinzu, dass der Begriff „Gifthäubling“ als Sammelbezeichnung für mehrere nah verwandte Häublingsarten aufgefasst werden kann, die nur schwer oder mikroskopisch sicher unterscheidbar und ebenfalls tödlich giftig sind, z. B. Galerina autumnalis, G. sideroides, G. badipes. Unter diesen gibt es Arten, die flockig-schuppige Stiele oder glatte Sporen haben können.

Sporen Galerina marginata, gemessener Durchschnittswert: 9,2 x 5,4 µm (Mikrofoto und Foto rechts von Frank Kaster)
Stockschwämmchen
(Kuehneromyces mutabilis)
Gifthäubling
(Galerina marginata)
Stiel unterhalb der Ringzone flockig-schuppig silbrig längsfaserig
Geruch angenehm würzig, pilzig mehlig, muffig (Hut zerdrücken)
Geschmack angenehm, mild, nussig mehlig, ranzig
Sporen glatt, 6-7,5 x 3-4,5 µm warzig, 8-10 x 5-6 µm

Über zwei Todesfälle durch Gifthäublinge (Galerina sp.) hat Hermine Lotz-Winter für den Fundkorb berichtet:

Am Montag, 22.10.2012, erhielt ich am frühen Morgen einen Notruf – das Giftinformationszentrum Mainz bat um Hilfe, denn vier Personen hatten gezielt Stockschwämmchen gesammelt und am Freitag gegessen. Es waren „langjährig erfahrene“ Pilzsammler. Bereits am Freitag trat eine Vergiftungssymptomatik mit Erbrechen und Durchfall auf. In der Nacht von Sonntag auf Montag kamen dann alle mit schweren Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus. Es waren noch Pilze vorhanden, die kurz vor 6 Uhr mit Taxis bei mir ankamen. Diese Reste, verpackt in zwei Plastiktüten, wogen gemeinsam über 500 g!!!!! Es waren Dutzende von Hüten, knapp abgeschnitten, nur bei einigen der bereits recht matschigen, durchwegs nougatbraunen Hüte war noch ein Stielrest vorhanden, der allerhöchstens bis zur Ringzone zu sehen war. Die Hüte waren teilweise am Rand gerieft und da sie sehr feucht waren, gab es kein Ausblassen zu sehen. Die flachen und dünnfleischigen Hüte sahen für mich schon in den Säcken nach Galerina aus. Ein mehliger Geruch war nicht festzustellen, eher schon ein Zersetzungsgeruch. Ich habe aus jedem Sack 10 Hütchen ausgewählt und je ein Lamellenquetschpräparat gemacht. Allerdings habe ich bereits nach dem dritten Präparat auf eine mögliche Amanitin-Vergiftung hinweisen müssen, denn es waren eindeutig Galerina-Sporen wie aus dem Lehrbuch: gelblich-braun, warzig, mit deutlich sichtbarem Plage, leicht ablösendem Perispor, etwa 9 – 10.5 X 5 µm groß und mandelförmig. Ich vermute, dass es sich bei den Pilzen um ausschließlich Galerina aus dem marginata-Formenkreis handelt. Bei Durchsehen der vielen Hütchen in den beiden Säcken habe ich jedenfalls nur gleichartige Pilzhüte sehen können. Das bittere Ende: wie Anfang 2013 bekannt wurde, verstarben zwei der Patienten an den Folgen der Amanitin-Vergiftung.

Weiterführende Literatur:

Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Dieter Gewalt.
Zuletzt aktualisiert am 3. August 2020