Laccaria amethystina

Violetter Lacktrichterling

Cooke 1884
Familie: Tricholomataceae (neuerdings Hydnangiaceae)
© Dieter Gewalt
amethystina = amethystblau

Eine Ansammlung abgeschnittener Hüte genügt oft schon, dass man sich diesen Pilz gut genug einprägen kann, um ihn sicher wiederzuerkennen. Das Foto oben zeigt auch in etwa die Farbvariabilität des Violetten Lacktrichterlings, die generell von tiefviolett in durchfeuchtetem bis zu blass blau bzw. nahezu weiß in trockenem Zustand reicht. Man sieht auch ein anderes wichtiges Merkmal: Die Lamellen sind auffallend dick und stehen relativ entfernt. Dass sie von kürzeren am Hutrand untermischt sind, ist kein spezifisches Kennzeichen – diese sogenannten „Lameletten“ findet man bei sehr vielen Blätterpilzarten.

Wenn man noch bedenkt, dass Violette Lacktrichterlinge recht kleine Pilze sind (Hutdurchmesser im Normalfall 2 bis 3, maximal 6 Zentimeter), hat man ihre wesentlichen Merkmale schon komplettiert. Trotzdem sei auf Verwechslungsmöglichkeiten z. B. mit dem Rettichhelmling oder einigen blauen Rötlingen hingewiesen, aber auch auf violette Varietäten des Erdblättrigen Risspilzes, die Vergiftungen verursachen könnten, jedoch alle deutlich dünnere und dichter stehende Lamellen haben und sich zum Teil auch durch ihren Geruch unterscheiden.

Der Violette Lacktrichterling ist ein schmackhafter Speisepilz, lediglich seine zähen Stiele sind nicht zum Verzehr geeignet. Das gilt auch für seinen nächsten Verwandten, den Rötlichen Lacktrichterling (Laccaria laccata), der sich lediglich durch seine andere Farbe unterscheidet und meist etwas kleinere Fruchtkörper ausbildet. Beide Arten erscheinen nicht selten in ungewöhnlichen Wuchsformen, z. B. mit stark verformten Lamellen.

Seit Kurzem sind die Lacktrichterlinge in die Familie der Heidetrüffelverwandten (Hydnangiaceae) transferiert wurden, was vielen Pilzfreunden nicht nachvollziehbar erscheint. Was haben diese Blätterpilze mit der Heidetrüffel gemeinsam? Methoden der modernen DNA-Sequenzierung haben die Biologie revolutioniert und zuvor kaum vermutete Verwandtschaftsverhältnisse festgestellt, z. B. dass sich in unterschiedlichen Ordnungen Pilze mit Lamellen entwickelt haben. So sind zum Beispiel Champignons mit Bovisten näher verwandt als mit Austernpilzen.

Weiterführende Literatur:

Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Dieter Gewalt.
Zuletzt aktualisiert am 7. August 2020