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f u n d k o r b . d e   -   d i e  P i l z a d r e s s e  i m  R h e i n-M a i n-G e b i e t



Nächste Exkursionstermine:
 
Sonntag, 10. Mai 2015:  Wir suchen den Maipilz

Sonntag, 17. Mai 2015:  Frühjahrsexkursion rund um die Dianaburg

Mehr dazu unter Termine  ( >>> )

Schleimpilze (Myxomyceten) beeindrucken durch ihre erstaunliche Formenvielfalt. Genau genommen sind sie keine Pilze, sondern amöbenartige einzellige Lebewesen, die sich kriechend fortbewegen und wie Tiere fressen. In ihrem letzten Lebensstadium verwandeln sie sich in sporenbildende Fruchtkörper, um sich wie Pilze fortzupflanzen. Ihre erstaunliche Schönheit erschließt sich dem Betrachter meist erst mit Hilfe einer Lupe. Sie auf Artebene sicher zu bestimmen ist nicht einfach und nur mit reifen Fruchtkörpern möglich. Norbert Kühnberger hat eine Vielzahl von ihnen dokumentiert und fotografiert. Die hier gezeigte Auswahl vermittelt einen faszinierenden Einblick in ihre verborgene und wenig beachtete Welt. 
 

NEU: Werfen Sie auch einen Blick auf unsere neue Rubrik Fotoshow


 Das Pilzjahr 2015 lässt grüßen

 Gyromitra esculenta FK.jpg  Strobilurus tenacellus FK.jpg

12.04.2015: Bei schönstem Frühjahrswetter unterwegs im Kiefernwald bei Waldacker: Frühjahrslorcheln (Gyromitra esculenta) über das gesamte begangene Areal verteilt - oben links die schönste von allen. Foto rechts: einer von vielen Bitteren Kiefernzapfenrüblingen (Strobilurus tenacellus, beide Fotos von Frank Kaster). Weitere Funde: Gebrechlicher Glöckling (Entoloma hirtipes), Schildrötling (Entoloma clypeatum), Schwarzweiße Lorchel (Helvella leucomelaena) und zwei auffallend große Myxos: Reticularia lycoperdon und Amaurochaete atra (det. Norbert Kühnberger).

Geastrum Triplex Coprinellus sp.

                       Halskrausenerdstern (Geastrum triplex)                                     Glimmertintlinge (Coprinellus sp.)

10.04.2015: Der Halskrausenerdstern links (Geastrum triplex) ist allerdings noch ein Relikt aus dem vergangenen Herbst und hat sich über den Winter erstaunlich gut gehalten. Die Kugel enthielt sogar noch Sporen. Die Glimmertintlinge rechts (Coprinellus sp.) haben dagegen erst vor zwei oder drei Tagen das Licht der Welt erblickt. (Gefunden und fotografiert am Maunzenweiher von D. Gewalt, 10.04.2015)


Oudemansiella mucida  Psilocybe Cyanescens
        Beringter Schleimrübling (Oudemansiella mucida)                                Blauender Kahlkopf (Psilocybe cyanescens)
 
Das Gebiet rund um die Dianaburg ist eigentlich immer für interessante Funde gut. Zwei Beispiele aus dem vergangenen Jahr, fotografiert von Gerd Wartha, sollen dies belegen. Keine 20 m vom Rondell um die Dianaburg entfernt fanden wir diese Gruppe von Beringten Schleimrüblingen (Oudemansiella mucida) in etwa 2 m Höhe an einem toten noch aufrecht stehenden Buchenstamm. Die Blauenden Kahlköpfe (Psilocybe cyanescens) wuchsen in unüberschaubar großer Zahl auf dem Gelände des Kalkofen-Biergartens. Dieser Fund darf ohne Übertreibung als eines der High Lights von 2014 bezeichnet werden. Mehr über den psychoaktiv wirkenden Pilz in unserer Fundkorb-Abteilung für bemerkenswerte Pilzfunde im RM-Gebiet ( >>> ).

 

Der Gifthäubling (Galerina marginata) scheint immer häufiger zu werden und damit auch die Gefahr, ihn mit Stockschwämmchen (Pholiota mutabilis) zu verwechseln. Allein während unserer FundGroup-Wanderung im Gebiet Kalkofen-Dianaburg bei Darmstadt-Arheilgen wurde er an mindestens 7 Stellen gefunden. Foto: D. Gewalt

Zwei Todesfälle durch Gifthäublinge (Galerina sp.)
- Bericht von Hermine Lotz-Winter -

Am Montag, 22.10.2012, erhielt ich am frühen Morgen einen Notruf - das Giftinformationszentrum Mainz bat um Hilfe, denn vier Personen hatten gezielt Stockschwämmchen gesammelt und am Freitag gegessen. Es waren "langjährig erfahrene" Pilzsammler. Bereits am Freitag trat eine Vergiftungssymptomatik mit Erbrechen und Durchfall auf. In der Nacht von Sonntag auf Montag kamen dann alle mit schweren Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus.
Es waren noch Pilze vorhanden, die kurz vor 6 Uhr mit Taxis bei mir ankamen.
Diese Reste, verpackt in zwei Plastiktüten, wogen gemeinsam über 500 g!!!!! Es waren Dutzende von Hüten, knapp abgeschnitten, nur bei einigen der bereits recht matschigen, durchwegs nougatbraunen Hüte war noch ein Stielrest, der allerhöchstens bis zur Ringzone zu sehen war. Die Hüte waren teilweise am Rand gerieft und da sie sehr feucht waren, gab es kein Ausblassen zu sehen. Die flachen und dünnfleischigen Hüte sahen für mich schon in den Säcken nach Galerina aus. Ein mehliger Geruch war nicht festzustellen, eher schon ein Zersetzungsgeruch.
Ich habe aus jedem Sack 10 Hütchen ausgewählt und je ein Lamellenquetschpräparat gemacht. Allerdings habe ich bereits nach dem dritten Präparat auf eine mögliche Amanitin-Vergiftung hinweisen müssen, denn es waren eindeutig Galerina-Sporen wie aus dem Lehrbuch: gelblich-braun, warzig, mit deutlich sichtbarem Plage, leicht ablösendem Perispor, etwa 9 - 10.5 X 5 µm groß und mandelförmig. Ich vermute, dass es sich bei den Pilzen um ausschließlich Galerina aus dem marginata-Formenkreis handelt. Bei Durchsehen der vielen Hütchen in den beiden Säcken habe ich jedenfalls nur gleichartige Pilzhüte sehen können.

Das bittere Ende: Wie Anfang 2013 bekannt wurde, verstarben zwei der Patienten an den Folgen der Amanitin-Vergiftung.


Eine sehr spezielle Synthese stellt dieses Buch dar, das gerade erschienen ist. In ihm verbinden sich Freude am Sammeln mit kulinarischem Genuss, es begleitet den Pilzfreund auf seinen Streifzügen durch die Natur bis hin zum Herd, an dem aus abwechslungsreichen und originellen Rezeptideen leckere Gerichte werden. "Guten Appetit", kann da Fundkorb-Redakteur Dieter Gewalt nur noch sagen, der den mykologischen Teil zu diesem Kochbuch der etwas anderen Art beisteuern durfte. Unter http://issuu.com/tretorri/docs/pilze_issuu können Sie ein wenig im Buch blättern oder in unserer Fundkorb-Küche (>>>) einige Rezepte erproben. Exkursionsteilnehmer können es vor oder nach der Wanderung erwerben. Es kostet 19,90 Euro.


Was Sie beim Pilzesammeln beachten sollten

Tipps und die wichtigsten Regeln können Sie hier nachlesen: >>>


 Lust auf Pilze

 Zum Anschauen und Lesen sind Sie hier richtig. Zum Suchen, Finden und Bestimmen sind Sie herzlich eingeladen, sich unserer FundGroup anzuschließen. Klicken Sie auf Termine, um sich zu informieren, wann und wo Sie Gelegenheit dazu haben. Anfragen bitte an dgewalt@web.de

 In der Rubrik Fundlisten können Sie nachlesen, was bei den letzten Exkursionen entdeckt, gesammelt und bestimmt worden ist. Tipps und Kommentare gibt es hier auch.

Über bemerkenswerte Funde im Rhein-Main-Gebiet informiert die Rubrik Fundkorb


 Dietzenbach und Pilze

- das hat seit Jahren Tradition und dafür gibt es gute Gründe. Die Kreisstadt liegt mitten im größten zusammen-hängenden Waldgebiet der Region und die Volkshochschule Dietzenbach bietet seit nunmehr 12 Jahren regelmäßig Praktische Pilzseminare an. Die finden nicht etwa in einer Schule statt, sondern da, wo Pilze wachsen - im Wald. Bei fünf Exkursionen lernen die Teilnehmer die wichtigsten Speise- und Giftpilze an ihren natürlichen Wuchsorten kennen und erfahren Wissenswertes zum Thema. Das nächste Seminar beginnt am 21. September 2014. Vormerkungen nimmt dgewalt@web.de entgegen. >>>mehr

* * *

Pilzfreunden wird von der Stadt Dietzenbach ein unvergleichlicher Service geboten. Mit deutlich sichtbaren Hinweisschildern macht das Verkehrsamt auf besonders interessante Pilzvorkommen aufmerksam. Der weiße Pfeil auf blauem Grund zeigt exakt auf die Stelle, wo 2002 der seltene Büschelige Egerlingsschirmling Leucoagaricus americanus gefunden worden ist, möglicherweise zum ersten Mal in Hessen. Mehr darüber im Fundkorb



  Pilzseminar jetzt auch in der Region Bergstraße - Odenwald

Auch die Volkshochschule Bergstraße - Odenwald bietet ein Praktisches Pilzseminar an. Es findet ausschließlich in freier Natur statt, also in den Wäldern der Region. Anmeldung bei der KVHS Bergstraße www.kvhs-bergstrasse.de oder telefonisch 06251 17296-15


 Über Sinn und Unsinn von Sammelbeschränkungen wird unter Pilzfreunden viel und kontrovers diskutiert. Lesen Sie, was der Freiburger Biologe Helgo Bran dazu meint >>>


 Giftpilze in der Kleinmarkthalle

Dass der Grünling (Tricholoma equestre), einst ein beliebter Speisepilz, bei wiederholtem Genuss die gefährliche Rhabdomyolyse verursachen kann (mehrere Todesfälle u. a. in Frankreich), hat sich inzwischen herumgesprochen. Nicht erst seit seiner Einstufung als Giftpilz darf er nicht mehr als Marktpilz gehandelt werden: als bedrohte Art, die in der Bundesartenschutzverordnung geführt wird, unterliegt er schon länger einem strikten Sammelverbot. Umso verwunderlicher und beängstigender, was Florian Haas kürzlich in der Frankfurter Kleinmarkthalle und im Umgang mit dem Ordnungsamt erlebt hat... (mehr


  Neu  im  Fundkorb:

Nidularia deformis - Foto: Thomas Lehr                                      Marasmius limosus - Foto: Hermine Lotz-Winter

Zwei Pilze, die im Wald bei Waldacker gefunden wurden: der Vollgestopfte Nestling Nidularia deformis gehört zu den absoluten Raritäten und ist wegen seiner geringen Größe (ca. 5 bis 10 mm) nur schwer zu finden. Sie wuchsen auf einem Kiefernästchen. Um den Schilfschwindling (Marasmius limosus) zu entdecken, muss man feucht liegende Schilfblätter absuchen. Diese nur selten gefundene Art ist winzig klein, erreicht nur Hutdurchmesser von 0,5 bis 3 mm.

Pilze im Fundkorb:

Amanita caesarea - Foto: Thomas Lehr                                             Dendrocollybia racemosa - Foto: Thomas Lehr

Bemerkenswerte Pilzfunde gehören in den Fundkorb! Dass der Kaiserling (Amanita caesarea, Foto und Link siehe oben) ein ganz besonderes High Light ist, bedarf keiner Erläuterung. Uns ist im RM-Gebiet nur ein Fundort bekannt, von dem auch die Abbildung stammt. Es wäre interessant zu erfahren, woher und von wem die beiden anderen Fundpunkte im Verbreitungsatlas gemeldet wurden. - Nicht weniger bemerkenswert ist ein Fund des Traubenstieligen Sklerotienrüblings Dendrocollybia racemosa vom Kalkbruch an der Wiesenmühle bei Flörsheim (wahrscheinlich Erstfund für Hessen). Lassen Sie sich nicht täuschen: es handelt sich um sehr kleine Pilzchen, deren Hüte kaum einen Zentimeter Durchmesser erreichen.

Auch zwei seltene Verwandte der Stinkmorchel (Ordnung Phallales) werden im Fundkorb vorgestellt, die an höchst unterschiedlichen, aber nahe beieinander liegenden Fundorten entdeckt worden sind. Der Gitterling Clathrus ruber wuchs im Frankfurter Grüneburgpark, der Eckigstielige Fingerpilz Lysurus mokusin wurde im nahen Palmengarten im Tropenhaus Nebelwald gefunden. Bei letzterem dürfte es sich um einen Erstfund für Deutschland handeln.

                  Clathrus ruber- Foto: Norbert Kühnberger                                               Lysurus mokusin - Foto: Thomas Lehr

  

fundkorb.de: die Pilzadresse im Rhein-Main-Gebiet: Frankfurt Offenbach Hanau Darmstadt Groß-Gerau Bergstraße Odenwald Kühkopf

Letzte Bearbeitung: 03.05.2015, 18:06