Amanita beckeri f. alba

Hellflockiger Scheidenstreifling (Weiße Form)

Huijsm. 1962 (für f. alba keine Angabe)
Familie: Amanitaceae
© Bernd Miggel

Anfang August 2014 hatte ich das Glück, eine kleine, aus vier Exemplaren bestehende Population eines recht großen, weißen Scheidenstreifling (Amanita Sektion Vaginatae) zu finden. Die Pilze wuchsen direkt beieinander an einer lichten, wärmebegünstigten Stelle eines Kalkbuchenwaldes im nördlichen Schwarzwaldrandgebiet. Begleitbäume waren Rotbuchen und Kiefern. Den Fund möchte ich hier beschreiben und eine Bestimmung vornehmen.

Makroskopische Merkmale:

Fruchtkörper groß, langstielig, nicht sehr robust, Hut des größten Exemplars 12 cm Ø, glatt, klebrig, milchweiß, Mitte hell gelbbräunlich, jung halbkugelig, alt ausgebreitet mit angedeutetem Buckel, nur ältere Exemplare auf 1 cm am Rand gerieft. Lamellen creme, dicht stehend. Stiel des größten Exemplars 20 cm lang, oben 1,8 cm, unten 3 cm Ø, brüchig, schwach klebrig, weißlich bis hellbräunlich, mit feinen, weißlichen bis cremefarbenen Flöckchen und teilweise mit Fetzen der Volva versehen, Basis tief im Boden eingesenkt. Volva dick, weich, lappig, hellbräunlich, dem Stiel dicht anliegend, gerne zerreißend, tief im Boden eingesenkt.

Mikromerkmale:

Sporen in Phloxin-B -- Volva-Mikrostruktur: Sphärozysten in Kongorot -- Basidiole mit Basalschnalle (S)

Sporen rundlich bis breit ellipsoid, glatt, hyalin, gemessene Werte 11 – 12 x 8,5 – 10,5 µm, Schlankheitsgrad 1,14 – 1,22. Basidien keulig, bis 18 x 60 µm, 4-sporig; irritierend ist, dass einige Basidien der Fundexemplare Basalschnallen haben, was ich bei Scheidenstreiflingen eigentlich nicht erwartet hätte. Die Volva besteht außen fast nur aus Sphärozysten (rundliche Zellen); nur wenige Hyphen durchwachsen die Struktur.

Anmerkungen zur Bestimmung:

Da die meisten Scheidenstreiflingsarten weiße Formen bilden können, habe ich die weiße Farbe außer Acht gelassen und nur die übrigen relevanten Merkmale von Amanita beckeri zur Bestimmung herangezogen:
Fundort hell, Kalkboden, wärmebegünstig - Begleitbäume Rotbuchen und/oder Kiefern - Hut glatt, schwach klebrig, nur am Rand gerieft, ohne Velumreste, nahezu ungebuckelt, Ø 12 cm - Stiel bis 20 cm lang, brüchig, fein weißlich geflockt - Volva lappig, weich, am Stiel anliegend, hellbräunlich - Sporen rundlich bis breit ellipsoid, 11 - 12 x 8,5 – 10,5 µm, Schlankheitsgrad Q = 1,14 – 1,22 - Volva überwiegend aus Sphaerozysten.

Positives Ergebnis: Sämtliche Fundmerkmale stimmen mit der von mir verwendeten Literatur (LUDWIG 2012 und GALLI 2001) überein. Es kann sich also nur um die weiße Form des Hellflockigen Scheidenstreiflings handeln (Amanita beckeri f. alba).

Siehe dazu auch die Diskussionsbeitrage von Christoph Hahn („Christoph“) im Pilzforum.eu zum Thema „Weiße Scheidenstreiflinge – Bayern ???“. Seine Kernaussage ist für mich: „Wenn es zig graue Arten gibt und alle Albinoformen zeigen können, …“

Manchmal kann es auch hilfreich sein, ältere Bestimmungsliteratur heranzuziehen. Mit MOSER (Kleine Kryptogamenflora1983 gelangt man bereits nach drei Schritten zum Ziel, ausgehend von 3.5.1.1 Subgen. Amanita Sekt. Vaginaria Forq. Scheidenstreiflinge, Seite 220):

1. Volva grau oder weiß u. brüchig (mit zahlreichen Sphaerozysten…)
2*. Volva weiß (höchstens alt etwas grau)…
4. Laubwald auf Kalk… = 3.5.1.1.3 A. beckeri Hujsm.

Gemäß Roter Liste Pilze Deutschlands 2016 ist A. beckeri der Gefährdungskategorie 2 (stark gefährdet) zuzuordnen.

Weiterführende Literatur:

Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Bernd Miggel.
Zuletzt aktualisiert am 19. Februar 2024